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Body Piercing Schmuck Arten im Überblick

Body-Piercing-Schmuck gibt es in vielen Formen, Größen und Materialien. Wer sich ein Piercing stechen lässt, Schmuck austauschen möchte oder sich einfach informieren will, stößt schnell auf eine verwirrende Vielfalt an Bezeichnungen. Dieser Überblick erklärt die gängigen Arten von Piercing-Schmuck, die wichtigsten Materialien und die Maße, mit denen Schmuck beschrieben wird – verständlich und ohne Vorkenntnisse.

Warum die Wahl des richtigen Schmucks wichtig ist

Der Schmuck entscheidet mit darüber, wie gut ein Piercing abheilt und wie angenehm es sich im Alltag trägt. Zu kurze oder zu schwere Stücke können drücken, reiben oder das Gewebe reizen. Deshalb wird bei einem frisch gestochenen Piercing zunächst ein etwas längerer Schmuck eingesetzt, der Platz für Schwellungen lässt. Erst nach dem Abheilen wird auf die endgültige Größe gewechselt.

Die wichtigsten Arten von Piercing-Schmuck

Die meisten Schmuckstücke lassen sich einer von wenigen Grundformen zuordnen. Die Form richtet sich vor allem nach der Körperstelle und nach der Art des Piercings.

Gerader Stab (Barbell)

Ein gerader Stab besteht aus einer geraden Stange mit zwei Enden, meist Kugeln oder flachen Aufsätzen. Er eignet sich für Piercings, die durch einen geraden Gewebekanal verlaufen, zum Beispiel an Zunge, Augenbraue, Brustwarze oder an verschiedenen Stellen des Ohrknorpels. Besonders lange Varianten werden für Industrial-Piercings am Ohr verwendet, bei denen eine Stange zwei Öffnungen verbindet.

Kugelring (Circular Barbell)

Der Kugelring ist ein gebogener, offener Ring, der an beiden Enden mit Kugeln verschlossen wird. Umgangssprachlich wird er oft als Hufeisen bezeichnet. Er wird häufig für Septum, Lippe, Ohr und Brustwarze genutzt. Ein Vorteil: Die Kugeln lassen sich abschrauben, sodass der Ring leicht eingesetzt und gewechselt werden kann.

Kugelverschlussring (Captive Bead Ring)

Hier sitzt eine einzelne Kugel in einer Öffnung des geschlossenen Rings und hält ihn zusammen. Diese Form ist klassisch für Ohrläppchen, Lippe und Nase. Zum Öffnen und Schließen wird meist eine kleine Zange oder ein Sprengringwerkzeug benötigt, weshalb der Wechsel oft vom Piercing-Studio durchgeführt wird.

Segmentring und Clicker

Ein Segmentring ist ein geschlossener Ring, bei dem ein gebogenes Segment die Öffnung verschließt. Der Übergang ist kaum sichtbar, was optisch sehr sauber wirkt. Ein Clicker funktioniert ähnlich, rastet aber mit einem Scharnier ein und lässt sich ohne Werkzeug öffnen. Beide Formen sind bei Septum- und Ohrpiercings beliebt.

Banane (Curved Barbell)

Die Banane ist ein leicht gebogener Stab mit zwei Enden. Sie passt zu Stellen mit gewölbter Oberfläche, etwa Bauchnabel, Augenbraue oder Lippe. Der Bogen sorgt dafür, dass der Schmuck flach anliegt und nicht absteht.

Labret-Stecker

Der Labret-Stecker hat auf einer Seite eine flache Platte und auf der anderen einen Aufsatz, etwa eine Kugel oder ein Motiv. Die flache Seite liegt innen an, der sichtbare Teil sitzt außen. Diese Bauweise eignet sich für Lippenpiercings, aber auch für Ohr, Nase und andere Stellen, an denen ein Ring stören würde.

Stecker und Studs

Für Nasenflügel und Ohren gibt es verschiedene Steckvarianten: gebogene Stecker, L-förmige Stecker und gerade Stecker mit Stecksystem, bei denen der Aufsatz ohne Gewinde eingeschoben wird. Sie sind klein, unauffällig und lassen sich je nach Modell leicht wechseln.

Plug und Tunnel

Plug und Tunnel werden für gedehnte Ohrläppchen verwendet. Ein Plug ist massiv und verschließt die Öffnung, ein Tunnel ist hohl und lässt den Blick durch die Dehnung frei. Beide gibt es mit unterschiedlichen Haltevarianten: mit zwei Flanschen, mit einem Flansch und O-Ring, mit Schraubverschluss oder mit doppeltem Gewinde. Die Größe wird in Millimetern angegeben.

Oberflächen- und Dermal-Schmuck

Für Oberflächenpiercings wird ein gebogener Stab verwendet, der an zwei Punkten durch die Haut tritt. Dermal Anchors bestehen aus einem kleinen Anker unter der Haut und einem aufgeschraubten Aufsatz. Beide Varianten sind empfindlicher und erfordern besondere Sorgfalt bei Pflege und Wechsel.

Materialien: Worauf es ankommt

Das Material beeinflusst Verträglichkeit, Gewicht und Haltbarkeit. Für frische Piercings gilt: glatt poliert, nickelfrei und möglichst leicht.

  • Titan: leicht, korrosionsbeständig und sehr gut verträglich. Gilt als erste Wahl für frische Piercings und für empfindliche Haut.
  • Edelstahl (316L): robust und günstig, enthält aber Nickel. Für abgeheilte Piercings meist unproblematisch, bei Nickelallergie jedoch ungeeignet.
  • Niobium: nickelfrei und gut verträglich, häufig für Ringe verwendet.
  • Gold: in hohen Reinheitsgraden nickelarm und optisch beliebt, aber teuer und weicher. Nicht für frische Piercings empfohlen.
  • PTFE und flexible Kunststoffe: biegsam und leicht, praktisch bei Operationen oder in der Schwangerschaft.
  • Organische Materialien: Holz, Horn, Knochen oder Silikon wirken natürlich, sind aber schwer zu reinigen und nur bei vollständig abgeheilten Piercings geeignet.

Maße verstehen: Stärke, Länge und Durchmesser

Piercing-Schmuck wird über wenige Angaben beschrieben. Die wichtigsten sind:

  • Stärke: der Durchmesser der Stange, angegeben in Gauge (G) oder Millimetern. Gängige Werte sind etwa 20G (rund 0,8 mm), 18G (rund 1,0 mm), 16G (rund 1,2 mm) und 14G (rund 1,6 mm).
  • Länge: bei Stäben der Abstand zwischen den Enden, gemessen ohne Aufsätze.
  • Durchmesser: bei Ringen der Innendurchmesser in Millimetern.

Schon kleine Abweichungen können den Tragekomfort stark verändern. Deshalb sollte die passende Größe gemessen und nicht geschätzt werden.

Verschlussarten im Vergleich

  • Innengewinde: Das Gewinde sitzt im Aufsatz. Das reduziert scharfe Kanten und ist bei hochwertigem Schmuck üblich.
  • Außengewinde: Das Gewinde sitzt am Stab. Günstiger in der Herstellung, kann beim Einsetzen aber Gewebe reizen.
  • Stecksystem: Der Aufsatz wird eingesteckt und hält durch Spannung. Sehr praktisch für häufiges Wechseln.
  • Scharnier und Clicker: Öffnen und Schließen ohne Werkzeug.
  • O-Ringe: Halten Plug oder Tunnel in der Dehnung.

Welcher Schmuck passt zu welcher Körperstelle?

  • Ohrläppchen: Ringe, Stecker, Plug und Tunnel
  • Ohrknorpel: gerade Stäbe, Kugelringe, Labret-Stecker
  • Septum: Kugelring, Clicker, Segmentring
  • Nasenflügel: Stecker, Ring, gebogener Stecker
  • Lippe: Labret-Stecker, Ring
  • Zunge: gerader Stab
  • Augenbraue: Banane, Kugelring
  • Bauchnabel: Banane
  • Brustwarze: gerader Stab, Kugelring

Tipps für Kauf, Wechsel und Pflege

  1. Erst abheilen lassen, dann wechseln. Bei Ohrläppchen dauert das oft sechs bis acht Wochen, bei Knorpel mehrere Monate.
  2. Größe und Stärke vor dem Kauf messen lassen, am besten im Studio.
  3. Auf nickelfreies Material mit glatter Oberfläche und Innengewinde achten.
  4. Vor dem Wechsel Hände waschen, Schmuck desinfizieren und in ruhiger Umgebung arbeiten.
  5. Bei Schwellung vorübergehend einen längeren Stab verwenden, nicht einen kürzeren.
  6. Den Schmuck nicht unnötig drehen oder bewegen, damit die Haut in Ruhe heilen kann.
  7. Bei Rötung, Schwellung oder Schmerzen den Kontakt zu Fachpersonal suchen.

Häufige Fragen

Welcher Schmuck eignet sich für den Anfang?

Ein etwas längerer Stab oder Ring aus Titan mit glatter Oberfläche. Er lässt Platz für Schwellungen und reizt die Haut kaum.

Wie oft sollte Schmuck gewechselt werden?

Nur bei Bedarf. Ein häufiger Wechsel belastet das Gewebe und kann Entzündungen begünstigen.

Kann jeder Schmuck überall getragen werden?

Nein. Form, Stärke und Länge müssen zur Körperstelle und zum Heilungszustand passen.

Fazit

Piercing-Schmuck unterscheidet sich vor allem in der Form, im Material und in den Maßen. Stäbe und Bananen eignen sich für gerade oder gewölbte Kanäle, Ringe und Clicker für rundliche Stellen, Stecker für kleine Bereiche und Plug oder Tunnel zum Dehnen. Für frische Piercings gilt Titan als sichere Wahl, während empfindliche Haut auf Nickel verzichten sollte. Wer Form, Größe und Verschluss passend wählt und geduldig abheilen lässt, hat langfristig Freude an seinem Schmuck. Weitere praktische Anleitungen zu Alltagsthemen, Pflege und kleinen Handgriffen finden sich in den weiteren Artikeln auf dieser Seite.