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Deutsche Redewendungen und ihre Bedeutungen

Deutsche Redewendungen begegnen uns überall: im Gespräch mit Freunden, in Nachrichten, in E-Mails von Kollegen oder in Filmen. Wer die Sprache lernt oder einfach genauer verstehen möchte, was andere meinen, stößt dabei schnell auf Sätze, die wörtlich genommen keinen Sinn ergeben. Genau hier kommen Redewendungen ins Spiel.

Dieser Ratgeber erklärt, was eine Redewendung überhaupt ist, warum sie so häufig benutzt wird und was die bekanntesten deutschen Wendungen tatsächlich bedeuten. Außerdem erfahren Sie, woher viele dieser Ausdrücke stammen und wie Sie sie im Alltag sicher einsetzen.

Was ist eine Redewendung?

Eine Redewendung ist eine feste Wortverbindung, deren Bedeutung sich nicht aus den einzelnen Wörtern erschließt. Wer zum Beispiel hört, dass jemand Tomaten auf den Augen hat, denkt nicht an Gemüse, sondern versteht: Diese Person sieht etwas Offensichtliches nicht.

Typisch für Redewendungen sind drei Merkmale:

  • Feste Form: Die Wörter werden immer in derselben Reihenfolge verwendet.
  • Übertragene Bedeutung: Gemeint ist etwas anderes als das, was wörtlich dasteht.
  • Bildhaftigkeit: Die Wendung erzeugt ein Bild im Kopf, das die Aussage anschaulich macht.

Wichtig ist die Abgrenzung zum Sprichwort. Ein Sprichwort ist ein vollständiger Satz mit allgemeiner Lebensweisheit, etwa Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Eine Redewendung ist dagegen ein Baustein, der in einen Satz eingebaut wird, zum Beispiel ins Fettnäpfchen treten.

Warum Redewendungen so häufig verwendet werden

  • Sie sparen Worte: Statt einer langen Erklärung genügt ein kurzes Bild.
  • Sie klingen lebendig: Bilder bleiben besser im Gedächtnis als trockene Beschreibungen.
  • Sie schaffen Nähe: Wer die Wendungen kennt, gehört sprachlich dazu.
  • Sie drücken Gefühle aus: Freude, Ärger oder Erleichterung lassen sich damit schnell vermitteln.

Bekannte deutsche Redewendungen und ihre Bedeutungen

Die folgenden Wendungen gehören zum Grundwortschatz der deutschen Umgangssprache. Sie werden in Alltagsgesprächen, in der Schule, im Beruf und in den Medien verwendet.

Redewendungen rund um Glück und Pech

  • Jemandem die Daumen drücken: Jemandem Glück wünschen, meist vor einer Prüfung oder einem wichtigen Termin.
  • Schwein haben: Glück haben, oft in einer knappen oder gefährlichen Situation. Die Wendung ist positiv gemeint und kein Schimpfwort.
  • Ins Fettnäpfchen treten: Unabsichtlich etwas sagen oder tun, das andere verärgert oder peinlich berührt.
  • Hals- und Beinbruch: Ein Glückwunsch vor einer Prüfung oder Aufführung – trotz des dramatischen Klangs nichts Schlechtes.

Redewendungen aus der Tierwelt

  • Jemandem einen Bären aufbinden: Jemandem etwas Unwahres erzählen, oft im Scherz.
  • Die Katze im Sack kaufen: Etwas erwerben, ohne es vorher geprüft zu haben.
  • Da beißt die Maus keinen Faden ab: Daran lässt sich nichts ändern; die Sache ist entschieden.
  • Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Mit einer einzigen Handlung zwei Ziele gleichzeitig erreichen.
  • Da liegt der Hund begraben: Genau dort liegt der eigentliche Kern des Problems.

Redewendungen mit Körperteilen

  • Sich den Kopf zerbrechen: Angestrengt über eine Lösung nachdenken.
  • Tomaten auf den Augen haben: Etwas Offensichtliches übersehen.
  • Die Ohren spitzen: Aufmerksam zuhören, weil etwas Interessantes gesagt wird.
  • Hand aufs Herz: Aufforderung, ehrlich zu sein.
  • Sich die Beine in den Bauch stehen: Sehr lange auf etwas oder jemanden warten.
  • Auf dem Schlauch stehen: Eine Erklärung nicht verstehen oder gerade keine Idee haben.

Redewendungen mit Farben

  • Grünes Licht geben: Eine Zustimmung oder Erlaubnis erteilen.
  • Blau machen: Unentschuldigt der Arbeit oder der Schule fernbleiben.
  • Schwarzsehen: Eine Situation besonders pessimistisch beurteilen.
  • Rot sehen: Plötzlich sehr wütend werden.
  • Ins Blaue hinein: Ohne Plan oder konkreten Anlass handeln.

Redewendungen aus Handwerk und Alltagsleben

  • Etwas auf die lange Bank schieben: Eine Aufgabe immer wieder aufschieben.
  • Den Nagel auf den Kopf treffen: Mit einer Aussage genau das Richtige sagen.
  • Das Handtuch werfen: Aufgeben, weil man keinen Erfolg mehr erwartet.
  • Am Ball bleiben: Bei einer Sache dranbleiben und nicht nachlassen.
  • Über den Berg sein: Das Schwierigste hinter sich haben.
  • Alles in Butter: Es ist alles in Ordnung, es gibt keine Probleme.

Woher kommen deutsche Redewendungen?

Viele Wendungen stammen aus dem Mittelalter und spiegeln damalige Berufe und Lebensumstände wider. Das Fettnäpfchen erinnert an Näpfe mit Fett, die früher in Stuben standen – wer hineintrat, machte Schmutz und Ärger. Etwas auf die lange Bank schieben geht auf Sitzbänke in Gerichtsstuben zurück, auf denen Akten liegen blieben. Andere Wendungen kommen aus dem Handwerk, der Schifffahrt, der Jagd oder dem Militär.

Nicht jede Herkunftsgeschichte ist wissenschaftlich belegt. Manche Erklärungen sind Volksetymologie, also eine anschauliche, aber nicht gesicherte Deutung. Für das Verständnis im Alltag ist die genaue Herkunft jedoch zweitrangig – entscheidend ist die heutige Bedeutung.

Redewendungen richtig verwenden

  1. Kontext prüfen: Manche Wendungen wirken in formellen Texten zu locker. In einer Bewerbung ist eine sachliche Formulierung meist besser.
  2. Tonlage beachten: Wendungen wie Blau machen sind umgangssprachlich. In einem seriösen Bericht klingen sie fehl am Platz.
  3. Nicht wörtlich übersetzen: Wer eine Redewendung Wort für Wort in eine andere Sprache überträgt, wird oft nicht verstanden.
  4. Auf Häufigkeit achten: Mehrere Redewendungen in einem Absatz wirken schnell übertrieben.
  5. Bedeutung vorher klären: Im Zweifel lieber in einem Wörterbuch nachschlagen, bevor die Wendung falsch eingesetzt wird.

Häufige Missverständnisse

Einige Wendungen klingen negativer oder seltsamer, als sie sind. Schwein haben bedeutet schlicht Glück zu haben, und Hals- und Beinbruch ist ein freundlicher Wunsch. Andere Ausdrücke haben dagegen eine klare Warnung im Ton, etwa jemandem auf die Füße treten, was bedeutet, jemanden zu verärgern.

Auch die wörtliche Übersetzung führt häufig zu Verwirrung. Wer eine Redewendung zum ersten Mal hört, sollte deshalb nicht die einzelnen Wörter zusammenzählen, sondern nach der übertragenen Bedeutung fragen – oder sie gezielt nachschlagen.

Fazit

Deutsche Redewendungen sind mehr als sprachliche Verzierungen. Sie verdichten Gefühle, Bewertungen und Erfahrungen in wenigen Worten und gehören fest zur Alltagssprache. Wer die gängigsten Wendungen kennt, versteht Gespräche, Texte und Medienbeiträge deutlich besser und kann sich selbst treffender ausdrücken.

Ein guter nächster Schritt ist, die hier vorgestellten Wendungen in kleinen Gruppen zu lernen: nach Themen wie Glück, Tiere oder Körperteile. So bleiben die Bedeutungen besser haften. Weitere praktische Ratgeber zu Sprache, Kommunikation und Alltagsthemen finden Sie in den verwandten Artikeln dieser Seite.