Die Gitarre ist ein empfindliches Musikinstrument, das regelmäßige Pflege benötigt, um gut zu klingen und sich angenehm spielen zu lassen. Zu den wichtigsten Wartungsarbeiten gehören der Saitenwechsel und das Setup. Während der Saitenwechsel für frischen Klang sorgt, stellt das Setup die optimale Spielbarkeit ein. Dieser Artikel bietet eine umfassende Anleitung für beide Arbeiten – verständlich erklärt und ohne Spezialwerkzeug.
Warum Saitenwechsel und Setup wichtig sind
Saiten verlieren mit der Zeit ihre Elastizität und Klangfülle. Sie können oxidieren, verschmutzen oder brechen. Ein regelmäßiger Wechsel – je nach Spielhäufigkeit alle paar Wochen bis Monate – ist daher unerlässlich. Ein Setup hingegen beinhaltet die Einstellung von Saitenlage, Halskrümmung und Oktavreinheit. Ein gut eingestelltes Instrument lässt sich leichter spielen und bleibt besser in Stimmung.
Werkzeuge und Materialien
Für den Saitenwechsel und ein einfaches Setup benötigen Sie:
- Neue Saiten (passend für Ihre Gitarrenart: Akustik, E-Gitarre oder Klassik)
- Saitenschneider oder Seitenschneider
- Stimmgerät (elektronisch oder als App)
- Schraubendreher (Kreuz- und Schlitz)
- Inbusschlüssel oder Steckschlüssel für den Halsstab (Truss Rod)
- Lineal oder Saitenlage-Messlehre
- Poliertuch und ggf. Gitarrenreiniger
- Optional: Saitenkurbel zum schnelleren Aufziehen
Schritt-für-Schritt: Saitenwechsel
1. Vorbereitung
Stimmen Sie die Gitarre zunächst nicht. Lockern Sie die Saiten leicht, indem Sie die Stimmwirbel drehen. Legen Sie die Gitarre auf eine weiche Unterlage, um Kratzer zu vermeiden.
2. Alte Saiten entfernen
Entfernen Sie die Saiten eine nach der anderen oder alle gleichzeitig. Bei Akustikgitarren mit Stiften am Steg: Lockern Sie die Saite, ziehen Sie den Stift vorsichtig mit einer Zange oder einem Stiftzieher heraus. Bei E-Gitarren mit verschraubten Saitenreitern: Schrauben Sie die Saiten ab. Bei Klassikgitarren: Knoten am Steg lösen.
Tipp: Entfernen Sie die Saiten nicht schlagartig, um den Hals nicht plötzlich zu entlasten. Bei vielen Gitarren ist ein kompletter Wechsel jedoch unproblematisch.
3. Gitarre reinigen
Nutzen Sie die Gelegenheit, um das Griffbrett und den Korpus zu reinigen. Verwenden Sie ein trockenes Tuch oder spezielle Reiniger. Bei geöltem Griffbrett können Sie etwas Zitronenöl auftragen.
4. Neue Saiten aufziehen
Beginnen Sie mit der tiefsten Saite (oder der höchsten, je nach Vorliebe). Fädeln Sie die Saite durch den Steg und den Sattel. Wickeln Sie die Saite um den Stimmwirbel: Bei E-Gitarren mit Mechaniken ohne Schlitz: Stecken Sie das Ende durch das Loch und wickeln Sie die Saite mehrmals um die Achse, während Sie Spannung aufbauen. Bei Klassikgitarren: Binden Sie einen Knoten am Steg und wickeln Sie das andere Ende am Wirbel.
Achten Sie darauf, dass die Wicklungen sauber übereinander liegen und sich nicht kreuzen.
5. Stimmen und Dehnen
Stimmen Sie die Saiten auf die richtige Tonhöhe. Ziehen Sie dann jede Saite vorsichtig vom Griffbrett weg und lassen Sie sie zurückschnappen. Wiederholen Sie das Stimmen. Dieser Vorgang dehnt die Saiten und sorgt für Stimmstabilität.
Das Setup: Grundlagen
Ein Setup optimiert die Spielbarkeit. Es umfasst mehrere Einstellungen, die aufeinander abgestimmt werden müssen.
Saitenlage (Action)
Die Saitenlage bezeichnet den Abstand der Saiten zum Griffbrett. Eine zu hohe Lage erschwert das Greifen, eine zu niedrige kann Schnarren verursachen. Messen Sie den Abstand am 12. Bund. Bei E-Gitarren sind Werte um 1,5–2 mm üblich, bei Akustikgitarren etwas höher. Die Einstellung erfolgt über die Steg-Reiter oder den Sattel.
Halskrümmung (Truss Rod)
Der Hals sollte eine leichte Krümmung nach oben haben. Prüfen Sie dies, indem Sie die tiefe E-Saite am ersten Bund und am 12. Bund niederdrücken und den Abstand am 7. Bund messen. Ein Geschäftskarte sollte gerade noch durchpassen. Zu viel Krümmung führt zu hoher Saitenlage, zu wenig zu Schnarren. Die Einstellung erfolgt über den Halsstab – meist mit einem Inbusschlüssel am Kopf oder Halsfuß. Vorsicht: Nur in kleinen Viertelumdrehungen drehen.
Oktavreinheit (Intonation)
Die Oktavreinheit sorgt dafür, dass die Gitarre über das gesamte Griffbrett sauber klingt. Spielen Sie den Flageolett-Ton am 12. Bund und vergleichen Sie ihn mit dem gegriffenen Ton am 12. Bund. Bei Abweichung muss der Saitenreiter am Steg verstellt werden. Bei E-Gitarren: Schraube am Reiter drehen. Bei Akustikgitarren ist dies oft nicht einstellbar.
Sattel und Steg
Der Sattel sollte die Saiten sauber führen, ohne zu klemmen. Bei Bedarf kann Graphit oder Sattelfett helfen. Der Steg muss fest sitzen und darf keine scharfen Kanten haben.
Wann professionelle Hilfe nötig ist
Nicht alle Arbeiten sollten selbst durchgeführt werden. Bei folgenden Problemen ist der Gang zu einer Fachwerkstatt ratsam:
- Gebrochener Hals oder Risse im Korpus
- Defekte Elektronik (bei E-Gitarren)
- Halsstab lässt sich nicht drehen oder ist beschädigt
- Bundstäbe abgenutzt oder locker
- Ungewöhnliche Schnarrgeräusche, die nicht durch Einstellung behoben werden können
Fazit
Ein regelmäßiger Saitenwechsel und ein korrektes Setup sind essenziell für Klang und Spielbarkeit Ihrer Gitarre. Mit etwas Geduld und den richtigen Werkzeugen können Sie diese Wartungsarbeiten selbst durchführen. Beginnen Sie mit dem Saitenwechsel und wagen Sie sich dann an einfache Setup-Einstellungen. Bei Unsicherheiten oder größeren Schäden ist professionelle Hilfe jedoch der sicherste Weg. Weitere hilfreiche Anleitungen zu Alltagsthemen finden Sie auf unseren Seiten.